Info für Liebhaber der Altdeutschen Mövchen
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Vererbung/ Genetik        Text und Gestaltung der Skizzen von Jens Behrens                                                        

Manchmal ist es für den einzelnen Züchter notwendig, Farbkreuzungen innerhalb der Rasse vorzunehmen - sei es, um seine Zucht voranzubringen, um Inzuchterscheinungen vorzubeugen oder, ganz formell, dem Tierschutzgesetz genüge zu leisten. Dabei ist es von Vorteil, zielgerichtet vorgehen zu können. Daher soll diese Seite dem einzelnen Züchter die Möglichkeit bieten, sich über die  verschiedenen Erbgänge beim Verpaaren von unterschiedlichen Farbenschlägen oder Zeichnungsvarianten zu informieren. Wer auf theoretische Aussführungen verzichten will, da es in Fachliteratur zu diesem Thema genügend ausreichende Berichte gibt, kann auf die Einführung verzichten und weiter runterscrolen und direkt bei "Vererbung von Farbenschlägen anhand von Skizzen" weiterlesen. Die dort folgenden Skizzen bieten jedem Züchter die Möglichkeit, auch ohne umfassende genetische Kenntnisse, im Voraus die Farbe der Nachzucht seiner Zuchttauben bestimmen zu können.

 Einführung:

Allgemeines zur Vererbungslehre bei Tauben:

In jeder Zelle einer Taube befindet sich eine Zellkern. Hier befinden sich die Erbinformationen. Eine Taube hat dort 80 Chromosomen, die 40 Paare bilden. 39 Paare sind Körperchromosomen und 1 Paar sind die Geschlechtschromosomen, die das Geschlecht einer Taube bestimmen. Auf den Chromosomen befinden sich die so genannten Gene (Merkmalsträger). Diese Gene existieren ebenfalls paarweise. Sehr salopp ausgedrückt kann man sagen, dass sich die Gene auf dem jeweiligen Chromosomen gegenüber liegen.Für ein Merkmal besitzt eine Taube also jeweils ein Gen von der Mutter und ein Gen vom Vater, wobei sich das einzelne Gen gegenüber dem anderen Gen entweder als dominant oder rezessiv vererbt.  Die Geschlechtschromosomen beim Täuber sind voll ausgeprägt. Eine Täubin hat je ein vollständiges und ein nicht vollständig ausgeprägtes Geschlechtschromosom. Ein Täuber hat dementsprechend für jedes seiner Merkmale ein Gen von der Mutter und ein Gen von seinem Vater erhalten.

Bei vielen Farbenschlägen, die es bei Tauben gibt, liegen die Erbinformationen auf dem Geschlechtschromosom. Wie bereits erwähnt, ist bei der Täubin ein Teil des Geschlechtschromosoms verkümmert. Das erklärt,. weshalb Täubinnen bei den meisten Farbenschlägen reinerbig sind. Das gilt nicht für die Zeichnungsvarianten gehämmert und hohlig, da diese Merkmale nicht auf dem Geschlechtschromosom liegen. Bei den Farbenschlägen, bei denen das "Farbgen" auf dem Geschlechtschromosom liegen, wird die "Farbe" also nur durch ein Gen, nämlich dem vom Vater, bestimmt.

Ein paar grundsätzliche Regeln zur Vererbungslehre:

  1. Farbenschläge kann man den drei Grundfarben rot, schwarz und braun zuordnen. Farbenschläge, die der Grundfarbe rot zugeordnet werden sind z. B. rotfahl, gelbfahl, rot, gelb – die der Grundfarbe schwarz zugeordnet werden sind z. B. blau mit schw. Binden, blaufahl, schwarz – die der Grundfarbe braun zugeordnet werden: braun, khakifahl - zusätzlich zu diesen Farbenschlägen gehören auch die gehämmerten Varianten.


  1. Es gibt Farbenschläge, die sich dominant und andere, die sich rezessiv vererben. Farbenschläge, die sich dominant vererben sind z. B. rot, blau mit schw. Binden, rotfahl. Aber (!) die Farben, die der Grundfarbe „rot“ zugeordnet werden, vererben sich gegenüber den Farbenschlägen der anderen Grundfarben immer dominant. Die Farben der Grundfarbe "schwarz" vererben sich gegenüber der Grundfarbe "braun" ebenfalls dominant.

  2. Täuber der oben genannten dominanten Farbenschläge können spalterbig auf ihre jeweilige Verdünntfarbe sein – Verdünntfarbende Täuber sind aber niemals spalterbig auf ihre jeweilige „Dominantfarbe“. Ein rotfahler Täuber kann z. B. spalterbig auf gelbfahl sein – ein gelbfahler Täuber ist aber niemals spalterbig auf rotfahl.

  3. Täubinnen der hier beschriebenen Farbenschläge sind immer reinerbig! Sie tragen das Gen für Farbe nur einmal.

    Das gilt nicht für Zeichnungen, wie z. B. Hämmerung oder Hohligkeit. Hier können auch die Täubinnen spalterbig auf andere Zeichnungsarten sein.

Zur besseren Übersicht hier ein paar Farbenschläge in tabellarischer Übersicht:

Grundfarbe rot

Grundfarbe schwarz

Grundfarbe braun

Dominanter

Farbenschlag

Verdünntfarbe

Dominanter

Farbenschlag

Verdünntfarbe

Dominanter

Farbenschlag

Verdünntfarbe

rotfahl

gelbfahl

Blau m. schw. Binden

blaufahl

braunfahl

khakifahl

rot

gelb

schwarz

dunfarbig

rot-gesäumt

gelb-gesämt

 Vererbung von Farbenschlägen anhand von Skizzen:                    

Vererbung der Farben "rot und gelb"

 

Rote Altdeutsche Mövchen gehören der so genannten brieftaubenroten Grundfarbe an. Gelbe Altdeutsche Mövchen sind die Verdünntfarbe zum roten Farbenschlag. Der Erbgang bei der Verpaarung beider Farben ist erforscht und in der Literatur beschrieben. Dabei ist die unten abgebildete Skizze auch bei den Farbenschlägen bzw. den Verpaarungen rot-gesäumt x gelb-gesäumt und rotfahl x gelbfahl anwendbar und natürlich auch für deren gehämmerten Varianten.
                    
                     

 

Eine Einschränkung: Um die Skizze anzuwenden, muss sichergestellt sein, dass die „roten“ bzw. „gelben“ Altdeutschen Mövchen nicht mit anderen Farbenschlägen, wie  z. B. blau, mit schwarzen Binden oder schwarzen Altdeutschen Mövchen, gekreuzt wurden. Dann gelten andere Vererbungsregeln, die später ebenfalls als Skizze vorgestellt werden. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass in der Literatur beschrieben wird, dass es bei Tauben eine Fremdbefruchtungsrate von bis zu 10 % gibt.

 

      

Eine sichere Unterscheidung der Farbenschläge ist schon bald nach dem Schlupf auf Grund der Bedunung der geschlüpften Jungen auszumachen. Das Junge auf dem Bild rechts hat sehr viel Flaum - das linke Junge erscheint nahezu "nackt" (flaumlos).  Auch der kahle Hinterkopf des linken Jungen ist ein sicheres Indiez dafür, dass es sich um ein Tier in einem Verdünntfarbenschlag handelt.

Die "Verdünnung" von rot ist gelb, von rotfahl ist gelbfahl, von braunfahl ist  khakifahl, von blau mit schwarzen Binden ist  blaufahl mit dunklen Binden, von schwarz dunfarbig usw.

 

 

 

 

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Altdeutsche Mövchen in blaufahl mit dunklen Binden und in blau mit schwarzen Binden gehören der so genannten schwarzen Grundfarbe an. Zum schwarzen Farbenschlag wird es später genauere Ausführungen geben, die diesen Zusammenhang verdeutlichen werden.

Die hier gezeigte Skizze gibt dem Züchter die Möglichkeit, sich schnell und umfassend über die verschiedenen Erbgänge dieser beiden Farbenschläge zu informieren. Die Skizze, die sich mit dem Erbgang blau mit schwarzen Binden X blaufahl mit dunklen Binden befasst, ist auch für die gehämmerten Varianten dieser beiden Farbenschläge anwendbar. Außerdem ist sie auch anwendbar für die Verpaarung 1.) blau ohne Binden X blaufahl ohne Binden und 2.) hellblau mit weißen Binden und den noch nicht anerkannten Farbenschlag hellblaufahl mit weißen Binden und 3.) theoretisch auch bei der Verpaarung blau mit weißen Binden X blaufahl mit weißen Binden (letzteren Farbenschlag gibt es bei den Altdeutschen Mövchen nicht). Abschließend sei noch erwähnt, dass die Skizze theoretisch auch gültig für die geschuppten Varianten der unter 2.) und 3.) genannten Farbenschläge, die es ebenfalls nicht im anerkannten Farbspektrum der Altdeutschen Mövchen gibt, anwendbar wäre.


Zu beachten ist aber, dass bei einer Verpaarung außerhalb der oben genannten vier genannten Verpaarungsmöglichkeiten diese Regeln nur bedingt gelten, da es sich z. B. bei den Blauen ohne Binden oder Blaufahlen ohne Binden genetisch gesehen „zusätzlich“ um eine Zeichnungsvariante handelt, die unabhängig von der Farbe vererbt wird.

 

 

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Bei beiden Farbenschlägen handelt es sich um so genannte Verdünntfarbenschläge. Blaufahl mit dunklen Binden ist der Verdünntfarbenschlag von blau mit schwarzen Binden. Gelbfahl ist die Verdünntfarbe von rotfahl. Das man die Farbenschläge blaufahl mit dunklen Binden und blau mit schwarzen Binden gut zusammen züchten kann, wurde bereits im Infoheft 2/ 2014 dargestellt. Beide Farbenschläge gehören der so genannten schwarzen Grundfarbe an.

Die Farbenschläge rotfahl und gelbfahl sind der sogenannten brieftaubenroten Grundfarbe zuzuordnen. Farbenschläge, die dieser Grundfarbe angehören vererben sich bei Reinerbigkeit dominant gegenüber den Farbenschlägen der schwarzen Grundfarbe. Zusätzlich gilt noch der Grundsatz, dass es sich um eine geschlechtsgekoppelte Vererbung handelt. „Gelbe“ Täuber können demnach niemals spalterbig auf die Grundfarbe „rot“ sein und bringen mit roten Täubinen nur „gelbe“ Töchter. Rote Täuber können aber durchaus spalterbig auf „gelb“ sein (vgl. Infoheft 1/ 2014).

Zücher von gelbfahlen Altdeutschen Mövchen müssen von Zeit zu Zeit andere Farbenschläge einkreuzen, da Nachzucht dieses Farbenschlag sonst immer mehr verblassen würde. Züchtet man gelbfahle Altdeutsche Mövchen mit dem Farbenschlag rotfahl zusammen, so wird die rotfahle Nachzucht u. U. einen Farbton aufweisen, der „zwischen“ rot und gelb liegt. Mit diesen Tieren kann man zwar züchten, doch werden sie auf Ausstellungen abgestraft, da die Binden der rotfahlen Altdeutschen Mövchen ziegelrot gewünscht werden! Um diesem Problem aus dem Wege zu gehen, werden gelbfahle Altdeutsche Mövchen häufig mit Altdeutschen Mövchen in blaufahl mit dunklen Binden zusammen gezüchtet. Der große Vorteil ist, dass beide hieraus anfallenden Farbenschläge, sowohl die Gelbfahlen als auch die Blaufahlen mit dunklen Binden, ausstellbar sind.

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Die Vererbung der Farbenschläge rotfahl und blau mit schwarzen Binden

 

Bei der Verpaarung gibt es zwei wesentliche Grundsätze zu berücksichtigen:

 

  1. Es handelt sich um eine geschlechtsgebundene Vererbung.

  2. die Farbe „rot“ (brieftaubenrot = z. B. rotfahl, rot, ect.) vererbt sich gegenüber dem Farbenschlag blau mit schwarzen Binden dominant.

 

Aus der Verpaarung eines reinerbigen 1,0 in rotfahl mit einer 0,1 in blau mit schwarzen Binden (kurz: „blau“) fallen in der F1 ausschließlich rotfahle Jungtauben. Die Söhne aus dieser Verpaarung sind alle spalterbig auf blau. Die Jungtäubinnen sind reinerbig auf rotfahl. Die F1 untereinander gepaart ergibt in der F2 zu 3/4 Jungtiere in rotfahl und zu 1/4 Jungtiere in blau. Von den rotfahlen Jungtäubern sind 50% spalterbig auf blau und 50% reinerbig auf rotfahl. Die blauen Jungtiere sind immer reinerbige Täubinnen! Diese zurück an blaue Täuber gepaart werden nur blaue Nachzucht bringen. Die rotfahle Farbe ist quasi nicht mehr existent.

 

Aus der Verpaarung eines blauen Täubers (reinerbig) mit einer rotfahlen Täubin fallen in der F1 aufgrund der geschlechtsgebundenen Vererbung nur blaue Töchter und nur rotfahle Söhne. Die Söhne sind alle spalterbig auf auf blau. In der F2 fallen zu 50% Rotfahle und 50% Blaue in beiderlei Geschlecht. Die rotfahlen Jungtäuber sind spalterbig auf blau, die blauen Täuber sind reinerbig.

Unter Umständen tragen die „Rotfahlen“ verdeckt andere genetische Fakoren in sich, die unabhängig von der Farbe vererbt werden. So lassen Bronzefaktoren die Binden der Rotfahlen dunkler erscheinen - doch kann dieser Faktor, übertragen auf blaue Tauben, dazu führen, dass die Binden der blauen Jungtiere einen unerwünschten rostigen Anflug bekommen. Auch können die rotfahlen Tauben, die aus einer Verpaarung dieser beiden Farbenschläge entstanden sind einen „Blauanflug“ im Schild bekommen. Dies sollte man bei der Verpaarung seiner Tiere beachten.

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Vererbung von  Zeichnungsvarianten:

Neben den verschiedenen Farbenschlägen gibt es auch verschiedene Zeichnungen. Irritierender Weise werden Zeichnungen im Standard  als Farbenschläge bezeichnet, obwohl es sich genetisch gesehen lediglich um  Zeichnungsvarianten handelt. Der Sachverhalt wird im folgenden deutlicher:  gelbfahl mit Zeichnungsanlage Hämmerung wird zu gelbfahl-gehämmert, rotfahl wird zu rotfahl-gehämmert, blau mit schwarzen Binden wird zu blau-gehämmert ect. Das Interssante an dieser Zeichnung ist, dass sie sich nicht geschlechtsgebunden vererbt, d. h. sowohl Täuber als auch Täubinnen können spalterbig auf dieses Merkmal sein.

Weitere Beispiele für ein Zeichnungsmuster sind die so genannte "Hohligkeit" oder "Bindigkeit".

Der Erbgang wird in der linken Skizze verdeutlicht. Dabei gelten folgende Regeln:

1.) Bindigkeit vererbt sich über Hohligkeit dominant

2.) alle Nachkommen einer Verpaarung bindig X hohlig  sind bindig, aber spalterbig auf hohlig - sowohl Täubinnen als auch Täuber!

3.) Bindige Tiere können spalterbig auf hohlig sein, hohlige Tiere aber niemals auf Bindigkeit - d. h. -->

4.) die Hohligkeit tritt nur in Reinerbigkeit in Erscheinung


Hohlige Tiere werden im Standard z. B. blau ohne Binden, blaufahl ohne Binden, rotfahl ohne Binden ect. genannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                

         

 

 

 

 

 

 

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